ZAHNPFLEGE
Was ist Pferdezahnpflege?
Pferdezahnpflege ist eine wiederkehrende pflegerische Maßnahme
(ähnlich der Hufpflege) zur Vermeidung schlimmer Zahnzustände im
Pferdemaul. Sie soll die nachschiebenden Zahnstrukturen in einer diesen
nicht mehr entsprechenden Umwelt in Balance halten.
In den Vierziger Jahren war die Pferdezahnpflege in Deutschland allgemein
bekannt und wurde aus rein wirtschaftlichen Gründen (teures und knappes
Futter) durchgeführt. Als das Pferd vom Arbeits- zum Luxustier wechselte,
geriet die Pferdezahnpflege in Vergessenheit. Ein Grund dafür ist
sicherlich, dass die Zahnprobleme nicht so offensichtlich sind, wie die
Hufprobleme.
Wie kommt es zu Zahnproblemen beim Pferd und wie
erkennt man sie?
Das Gebiss unserer Pferde ist dafür vorgesehen hartes, karges
Steppengras mit den Schneidezähnen abzubeißen und mit den Backenzähnen zu
zermahlen. Da das Steppengras nicht so nahrhaft war, wie unser heutiges
Futter, musste das Pferd, um seinen Mineralien-Bedarf zu decken, mit den
Schneidezähnen nach Mineralien in der Erde graben. Dadurch wurden die
Schneidezähne im selben Maße wie die Backenzähne abgenutzt.
Heutzutage bekommt das Pferd sein Futter serviert. Heu braucht nicht
abgebissen zu werden, das Gras ist so weich, dass es mit den Lippen
abgerissen werden kann. Mineralfutter wird in Pelletform verabreicht. Kurz
gesagt, die Schneidezähne werden so gut wie nicht mehr beansprucht. Dazu
kommt, dass die Backenzähne durch Körnerfutter verstärkt abgenutzt werden.
Ein Ungleichgewicht ist entstanden. Um weiterhin mahlen zu können, presst
das Pferd seine Backenzähne mit dem starken Kaumuskel aufeinander. Dadurch
entsteht ein enormer Druck auf die Schneidezähne, die dadurch nach vorne
herauskippen. Gleichzeitig hat das Pferd starke Überlastung des
Kiefergelenks und damit auch dort große Schmerzen.
Damit dem Pferd beim Mahlen des Körnerfutters die kleinen Körnchen nicht
zwischen den Backenzähnen heraus rutschen, mahlt es in kleinen
Kauausschlägen. Dadurch wird nur ein Teil der Fläche des Zahns benutzt und
auch abgenutzt. Es entstehen im Unterkiefer an der Innen- und im
Oberkiefer an der Außenseite der Backenzähne scharfe Kanten, die die
Schleimhäute und die Zunge verletzen. Durch den fehlenden Kontakt zwischen
den Kauleisten entstehen auf den Backenzähnen zusätzlich Haken, Rampen
oder, bedingt durch das Aufeinanderschlagen der Zahnreihen beim Pressen
auch Treppen.
Das ist ein kleiner Auszug, wie Zahnprobleme entstehen
können, aber wie erkenne ich diese?
Äußerliche Hinweise:
- große Mengen herausfallendes Futter
- schlechter Atem
- Saft aus Heu saugen und Wickel ausspucken
- Verändertes Saufverhalten
- Unregelmäßige / anormale Kaubewegungen
- Kopfscheue / Berührungsempfindlichkeit
- Beulen an Nase oder Unterkiefer
- Gewichtsverlust / stumpfes Fell
- Blutungen aus dem Maul
- Lange Strohfasern im Kot
Krankheitserscheinungen:
- Kolik / Schlundverstopfung
- Schwellungen in der Kehlkopfgegend
- Nasenausfluss (einseitig)
Reiterliche Hinweise:
- Schwierigkeiten beim Auftrensen
- Stellungs- und Biegungsprobleme / Verwerfen
- Gegen / Hinter das Gebiss gehen
- Plötzliche Änderungen der Rittigkeit
- Kopfschlagen
- Steigen
Wie erkenne ich einen guten Pferdezahnpfleger?
Ein guter Pferdezahnpfleger hat nicht nur eine Raspel oder eine klobige Maschine.
Er hat ein
vernünftiges Maulgatter, welches auf den Schneidezähnen aufliegt, niemals
verwendet er einen Maulkeil (auch Tauchsieder genannt). Er ist in der Lage
ohne Sedation eine aufschlussreiche Diagnose zu stellen. Das macht er,
indem er mit seiner Hand die Zahnreihen bis zum letzten Zahn abfühlt.
Ein guter Zahnpfleger wird auf ihre Fragen eine Antwort finden und geht
behutsam mit dem Pferd um.
Er arbeitet mit verschiedenen Geräten und Raspeln entsprechend der Stelle im
Pferdemaul, an der er gerade beschäftigt ist.
Ein guter Zahnpfleger sediert, sofern er
nicht selbst Tierarzt ist, auf keinen Fall selbst.

Weitere
Informationen und Terminvereinbarung:
Markus Wild
Telefon (0178) 200 96 16
E-Mail wild-pferd@web.de
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